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Alle Beiträge von Sabine

Lebensgefühl

Ein Kommen und Gehen, das Leben

Ich bin vor zwei Wochen Großmutter geworden, welche Freude! Und wie immer bin ich fasziniert von dem Ereignis und Anblick eines neugeborenen Menschen. In den ersten Wochen scheinen mir die Mimik und der Blick wie von einem aus fernem All auf der Erde Gestrandeten. Das fremde kleine Wesen muss erst hier ankommen, sich neu fühlen lernen, herausgepresst aus seinem bisherigen Lebensraum, nichts mehr ist, wie es war, nichts gilt mehr. Das Menschlein muss sich in der Welt orientieren, Anhaltspunkte finden und sich so Durchhangeln bis zum vollständigen hier Ankommen und Dasein.

Ein Neugeborenes und ein uralter Mensch können einiges gemeinsam haben, als ob sich ein Kreis schließt. Als unsere Mutter vor einigen Jahren in ihrem 89ten Lebensjahr starb, war sie zu einer winzigen Greisin mutiert, die in ihrem Pflegebett immer mehr dahinschwand. Es war so, als würde ihre teilweise recht widerspenstige Persönlichkeit sich auflösen. Dahinter war aber nicht Nichts, sondern zeigte sich eine für uns Töchter neue, fast mysteriöse, auch ganz ruhige und liebenswürdige Seite unserer Mutter. Das waren ganz andere Sphären, kaum von dieser Welt. Etwa drei Monate ging das so, nach einem schweren Sturz, und war ein großes Geschenk für uns. Es gab viel Versöhnliches und Gutes. Und dann flatterte eines Tages das Leben davon.

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Erlebnisse

Mäuschen

Morgens, ich bin mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs, es ist richtig kalt. An einer Kreuzungsampel halte ich und bemerke, dass ein auch wartendes junges Fußgängerpaar erstaunt, dann besorgt auf die Straße schaut. Ich sehe auf dem Fahrbahnasphalt eine kleine graue Maus mit gekrümmtem Rücken. Sie bewegt sich nicht, ist wie starr auf ihren 4 Füßchen; kann sie so stehend tot sein? Jedes abbiegende Auto kann sie plattfahren. Die junge Frau geht in die offene Tür der anliegenden Bäckerei und ruft hinein: „Da auf der Straße ist eine Maus“, sie möchte wohl eine Tüte oder ein Tuch, um die Maus von der Straße zu bringen. Währenddessen sehen der zurückgebliebene Mann und ich, dass die Maus sich rührt, ein paar typische Mausbewegungen macht, aber schwach und wie verwirrt. Die Ampel schaltet auf grün, ich fahre los, meinen Weg weiter und hoffe auf die Aktion der jungen Frau. Diese Szene rührt beim gelegentlich daran Denken noch über Tage Schmerz und Trauer in mir an. Die Kälte und Gleichgültigkeit der starken Welt einem einzelnen kleinen Leben gegenüber, das friert, hungert, krankt, das schutzlos und aussichtslos ist.

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Entdeckung

Zeiträume weiten

Ich fand heute in der Zeitung einen Bericht, auf den ich mich sofort gestürzt habe. Einer über Jahrzehnte tüftelnden Forscherin aus Wien ist es gelungen, mit vielen Finessen eine Lichtnelke aus einem 32.000 Jahre alten Samenkorn zum Keimen zu bringen. Diese Lichtnelke entwickelt sich wunderbar. Sie ist nur wenige Zentimeter hoch und eine zarte Botin aus einer lange versunkenen Zeit. Die Welt war eine ganz andere, Mammuts und Wollnashörner zogen über die Steppen und der Neandertaler war gerade erst ausgestorben.

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Lebensgefühl

Alternativen

Es ist ein herrlicher Sonntag im Frühherbst. Ich war bei Freunden zum Brunch eingeladen und jetzt möchte ich noch ein paar Stunden für mich sein, im Grünen. Ich fahre also mit meinem Fahrrad, meiner Hängematte, dicker Sonntagszeitung und Proviant in den sehr großen nördlichen Teil des Englischen Gartens und suche mir lange ein geeignetes ruhiges Plätzchen, abseits. Leicht schwinge ich in meiner Matte, lese, esse, schlummere, höre die Blätter rauschen und den Specht klopfen, Menschenstimmen nur von ganz weit. Dann aber dringt ein neues Geräusch in mein Luxusgefüge, ein leiser, zischender, sich ständig wiederholender Beat. Die Wahrnehmung erreicht über meine Ohren erst allmählich mein Gehirn.

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Mut

Leinen los

Jetzt aber Leinen los. Unser Blog soll in See stechen und wir wollen Fahrt aufnehmen und dazu müssen wir schreiben. Aber was? Ich habe so Vieles im Kopf und im Gemüt, keine großen Ereignisse, das meiste im Inneren. Wo anfangen?

Ach ja, das war’s doch, das Älterwerden. Immer wieder aufbrechen, nicht alleine das, aber das auch, und sei es am Ende nur, um z.B. einige meiner Gewohnheiten zu verändern, auszutauschen, wegzulassen. Meinen Abneigungen und Vorlieben zu widersprechen, anderes anschauen und anhören. Heute habe ich ein Zitat gelesen, nicht neu, aber als gebündelte Einsicht aller schon hinter mir liegenden Jahre für mich bedeutsam und das immer mehr. So geht es:

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Entdeckung

Eine Entdeckung

Ich habe heute ein OnlineMagazin aus Österreich entdeckt, „BRENNSTOFF – aktuell ist nur das Bleibende“. Ich bin hocherfreut, hier sind Inhalte, die Tiefe haben und bewegen, die zum Teil voller Poesie sind und auch ganz praktisch, lebensbejahend und ermutigend.

Schon der einleitende Satz auf einer der ersten Seiten packt mich: „Hätten die Nüchternen einmal gekostet, alles verließen sie, und setzten sich zu uns an den Tisch der Sehnsucht, der nie leer wird.“ (Novalis)

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Corona

Corona 2

In mir revoltiert alles angesichts der vielen Maßnahmen, Gebote und Verbote, die der Staat in den letzten Wochen uns, der Bevölkerung, zu unserem „Schutz“ auferlegt. Und ich bin vollkommen entsetzt, dass wir uns wie die Schafe ducken. Einem Kind, wenn ich es ernst nehmen will und damit auch mich selber, erkläre ich den Sinn von Geboten und Verboten nach bestem Wissen und Gewissen. Ich bemühe mich um Wahrhaftigkeit, d.h. ich manipuliere nicht und schon gar nicht mit Angst. Damit könnte ich zwar am leichtesten mein Anliegen durchsetzen, aber Angst verbiegt und nimmt das Wichtige und Wesentliche aus dem Blickfeld.

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Allgemein

Ja! Altern

Zum letzten Beitrag von Brigitta möchte ich meine eigene Impression hinzufügen, wobei die nicht immer gleich ist. Vielleicht, wahrscheinlich, ändert sich das noch die nächsten Jahre, aber jetzt stimmt es für mich.

Meine Mutter meinte immer: das Altern vollziehe sich kaskadenartig und nicht als linearer Vorgang. Was mich betrifft, ich gebe ihr Recht, es ist so, innerlich wie äußerlich. Ich habe diesen Bewertungsmodus in mir, lebenslang, vor allem bewerte ich mich selbst und als nächstes meine Mitwelt. Eine schwere Fessel.

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Corona

Corona 1

Wieder ein herrlicher Freitag, Sonne, mildes Lüftchen. Wir planen diesmal die Umrundung des Starnberger Sees per Rad. Sportliche Betätigung eines Paares in Hausgemeinschaft. Das ist bei den aktuell geltenden bayrischen Ausgangsbeschränkungen noch erlaubt. Das Auto parken wir in einer Seitenstraße im reichen Starnberg. Beim Ausladen der Räder nähert sich ein älterer Mann seinem Gartenzaun und fängt an, uns zu beschimpfen. Wir seien das Allerletzte, verantwortungslose, egoistische Leute, er sei Hochrisikopatient, wir scherten uns um nichts, er rufe die Polizei, usw.

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Begegnungen

Den Jesus besuchen

Gestern, nach einer Woche Schreibtisch trotz wunderschönem Frühlingswetter und daher zunehmendem Frust, habe ich mit meinem Mann eine erste Radtour unternommen: Umrundung des Ammersees. Ganz am Schluss kommt man immer an dem armen Jesus vorbei, der ungeschützt Wind und Wetter trotzend, auf einer Anhöhe neben einem Bänkchen hängt. Ich sehe seit vielen Jahren, wie der Jesus fragiler wird, das Holz berstet und zerfällt. Das tut mir weh. Ich habe letztes Jahr einen ganz in der Nähe wohnenden alten Freund mit Schreinereigeschick gefragt, ob er nicht etwas für den Jesus tun könne. Der Freund sagte: ja, den Jesus kenne er, er habe schon einmal versucht, ihn zu stützen und auszubessern. Ich meinte dann: und jetzt bitte die Achselhöhlen.

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