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Geschichten

Besuch

Ich bin mein Einsiedlerleben gewohnt. Meine Vorstellung von mir selber, ich sei unkompliziert und gesellig, kann ich über Bord werfen. Ich bin es nur partiell. Gerade hatte ich für 10 ungeplante Tage eine mir nahe Uganderin in meiner kleinen Wohnung zu Besuch. Ich hatte mich sehr gefreut, wenn auch schon Zwiespältigkeiten in mir erahnend. 10 Tage sind für mich ein langer Zeitraum. Und dann war sie da, teils noch mit ihrem lieben großen Sohn, und ich meinte, ganz unnötig, für Entertainment sorgen zu müssen.

Und die Lebensmittelversorgung für mehrere Menschen bin ich auch nicht gewohnt. Also: Ich war die ersten Tage angespannt und staunte über mich selber, über dieses Gestresstsein. Denn Hilda ist der allerliebste Gast, den ich mir vorstellen kann. Völlig unkompliziert, mit allem höchst zufrieden, neugierig, aufräumend, sehr zugewandt und fröhlich. Und sie ließ mir allen Raum. Unsere Sprache ist Englisch; wieder so in die Sprache hineinzukommen, zu diskutieren und zu erzählen, das habe ich sehr genossen.

Hilda telefonierte viel, mit allen möglichen Leuten (in Uganda ist das Handy das Kommunikationsmittel überhaupt) und ich konnte ganz nebenbei diesen beiden von ihr genutzten afrikanischen Sprachen zuhören. Eine Sprache ist das Mahdi, gesprochen in Norduganda und dem Südsudan, die andere Sprache ist Luganda, gesprochen im Süden und in der Hauptstadt Kampala. Was für ein Genuss, das Zuhören, unglaublich „farbig“ und klangvoll. Und erst nachdem ich und wir Hilda mit großem Gepäck (unter anderem Suppenbrühe, trockene Würste, Schokoladen, Bücher, usw) zum Flughafen brachten und meine Wohnung wieder leer ist und Hilda mir die ersten Abende „sweet dreams“ Wünsche per Whatsapp schickt, wird mir bewusst, wie gut mir dieser Besuch tat, wie ich das schätze.

Meine mit zunehmendem Alter sich verhärtende Gewohnheit,  ungestört von anderen Menschen nur ganz nach meinen eigenen Abläufen zu leben, wurde ordentlich herausgefordert. Das ist wieder eine neue Erfahrung für mich und eine gute.

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