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Lebensgefühl

Ein Kommen und Gehen, das Leben

Ich bin vor zwei Wochen Großmutter geworden, welche Freude! Und wie immer bin ich fasziniert von dem Ereignis und Anblick eines neugeborenen Menschen. In den ersten Wochen scheinen mir die Mimik und der Blick wie von einem aus fernem All auf der Erde Gestrandeten. Das fremde kleine Wesen muss erst hier ankommen, sich neu fühlen lernen, herausgepresst aus seinem bisherigen Lebensraum, nichts mehr ist, wie es war, nichts gilt mehr. Das Menschlein muss sich in der Welt orientieren, Anhaltspunkte finden und sich so Durchhangeln bis zum vollständigen hier Ankommen und Dasein.

Ein Neugeborenes und ein uralter Mensch können einiges gemeinsam haben, als ob sich ein Kreis schließt. Als unsere Mutter vor einigen Jahren in ihrem 89ten Lebensjahr starb, war sie zu einer winzigen Greisin mutiert, die in ihrem Pflegebett immer mehr dahinschwand. Es war so, als würde ihre teilweise recht widerspenstige Persönlichkeit sich auflösen. Dahinter war aber nicht Nichts, sondern zeigte sich eine für uns Töchter neue, fast mysteriöse, auch ganz ruhige und liebenswürdige Seite unserer Mutter. Das waren ganz andere Sphären, kaum von dieser Welt. Etwa drei Monate ging das so, nach einem schweren Sturz, und war ein großes Geschenk für uns. Es gab viel Versöhnliches und Gutes. Und dann flatterte eines Tages das Leben davon.


Und wenn so ein neues Menschlein auf die Welt kommt, ist es wie aus dem Sternenstaub auf die Erde gepurzelt.Ich staune und bin erfüllt  von dem Trost, den dieser Kreislauf - so sehe ich es - spendet.