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Erlebnisse

Mäuschen

Morgens, ich bin mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs, es ist richtig kalt. An einer Kreuzungsampel halte ich und bemerke, dass ein auch wartendes junges Fußgängerpaar erstaunt, dann besorgt auf die Straße schaut. Ich sehe auf dem Fahrbahnasphalt eine kleine graue Maus mit gekrümmtem Rücken. Sie bewegt sich nicht, ist wie starr auf ihren 4 Füßchen; kann sie so stehend tot sein? Jedes abbiegende Auto kann sie plattfahren. Die junge Frau geht in die offene Tür der anliegenden Bäckerei und ruft hinein: „Da auf der Straße ist eine Maus“, sie möchte wohl eine Tüte oder ein Tuch, um die Maus von der Straße zu bringen. Währenddessen sehen der zurückgebliebene Mann und ich, dass die Maus sich rührt, ein paar typische Mausbewegungen macht, aber schwach und wie verwirrt. Die Ampel schaltet auf grün, ich fahre los, meinen Weg weiter und hoffe auf die Aktion der jungen Frau. Diese Szene rührt beim gelegentlich daran Denken noch über Tage Schmerz und Trauer in mir an. Die Kälte und Gleichgültigkeit der starken Welt einem einzelnen kleinen Leben gegenüber, das friert, hungert, krankt, das schutzlos und aussichtslos ist.

Was für ein Paradies hätten wir, wenn wir alle aufeinander schauen und achtgeben würden. Wie grausam sind wir miteinander und mit anderen Lebewesen. Das schmerzt in jeder Zelle.

Ich habe ein paar Mal in meinem Leben versucht, solche kleinen Tiere zu retten, mal erfolgreich, mal nicht. Meine Nerven sind dabei sehr angespannt, in ständiger Sorge, Tag und Nacht, um so ein unglaublich fragiles und hilfloses Wesen im Überlebensmodus. Was lerne ich daraus? Vielleicht, dass ich, der Mensch, immer genau hinschauen soll, nicht wegschauen, keinen Schmerz und Verzweiflung verdrängen und überspielen. Hinschauen und Hinfühlen und daraus kommt ein Impuls und eine Richtung. Das könnte der Weg sein.