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Entdeckung

Zeiträume weiten

Ich fand heute in der Zeitung einen Bericht, auf den ich mich sofort gestürzt habe. Einer über Jahrzehnte tüftelnden Forscherin aus Wien ist es gelungen, mit vielen Finessen eine Lichtnelke aus einem 32.000 Jahre alten Samenkorn zum Keimen zu bringen. Diese Lichtnelke entwickelt sich wunderbar. Sie ist nur wenige Zentimeter hoch und eine zarte Botin aus einer lange versunkenen Zeit. Die Welt war eine ganz andere, Mammuts und Wollnashörner zogen über die Steppen und der Neandertaler war gerade erst ausgestorben.

Das Samenkorn stammt aus dem Wintervorratsloch eines Nagetiers, das in dem viele Meter dicken sibirischen Permafrostboden von einem russischen Forscherkollegen freigelegt wurde. Ich bin fasziniert. Diese kleine Pflanze eröffnet ein unglaubliches Zeitfenster, meine Phantasie wird angestoßen, in dieser weiten Zeitspanne zu schweifen und auch in die vor uns liegenden 32.000 Jahre. Ich fühle mich als eine Art Mensch, die es vor Zeitaltern so noch nicht gab und die es in Jahrtausenden auch nicht mehr geben wird. Ganz eingebettet in dieses Geschehen von Werden und Vergehen und immer neuen Wundern. Da ist mein eigenes Menschenalter gar nichts. Ich bin ein Puzzlestein unter Milliarden und für mich ist das ein guter Platz.

Die österreichische Forscherin sinniert über ihre Blume: Die Schönheit der Welt müsse irgendeinen Sinn haben, meint sie. Ja, dem schließe ich mich an.